EP 3.2.10 – SQ3R-Technik nutzen

Lernschritt:

Grafik von pixabay.com

die Reise nach Paris

nacherzählte Geschichte aus einem alten pädagogischen Lehrbuch

Stellen Sie sich bitte vor, Sie befinden sich zusammen mit Ihrer Begleitung im ICE auf dem Weg zu einem Kurztrip nach Paris – zu einer Zeit, als es noch kein Internet gab.

  • Angekommen in Paris fahren Sie als Erstes auf den Eiffelturm hoch und schauen sich Paris von oben an. Sie erkennen die Struktur der Straßen, sehen den Hügel von Montmatre und die Seine-Insel. – Sie verschaffen sich einen Überblick. (S)
  • Zusammen mit Ihrer Begleitung fragen sich Sie, welche der Stadtteile oder einzelne Sehenswürdigkeiten Sie sich gemeinsam anschauen wollen. (Q)
  • Nachdem Sie wieder nach unten gefahren waren, begeben Sie sich zum Montmartre, schauen sich dort um und lassen sich von der dortigen Atmosphäre begeistern. (R)
  • Sie setzen sich zum Mittagessen in ein Restaurant und plaudern über Ihre Eindrücke des Vormittags. (R)
  • Am Nachmittag besuchen Sie das Quartier Latin. (R1) – Abends, im Hotel-Restaurant, sprechen Sie über Ihre Eindrücke im Quartier Latin. (R2) – In ähnlicher Weise verbringen Sie die nächsten zwei Tage.
  • Auf der Rückfahrt nach Deutschland sprechen Sie über alle drei Tage Ihres Aufenthalts in Paris. (R)

SQ3R – insbesondere zum Durcharbeiten eines Fachbuches

  • Survey: sich zunächst einen Überblick verschaffen
  • Questions: sich fragen, womit man sich befassen will / worauf man Antworten sucht
  • Read: Abschnitte lesen, die Antworten auf die zuvor gestellten Fragen zu versprechen scheinen
  • Recite: reflektieren, was man im gerade gelesenen Abschnitt gelesen hatte und inwiefern sich hierzu die gewünschte Antwort ergeben hatte
  • Review: Gesamtrückblick zu den gelesenen Abschnitten und den hierin gefundenen Antworten

Mit Hilfe der Texte auf der Rückseite eines Buches, seiner Klappentexte, des Vorworts und des Inhaltsverzeichnisses kann man sich einen ersten Überblick zum Inhalt eines Buches verschaffen. – Bei einem Fachbuch ist es durchaus angemessen, auch innerhalb der Kapitel hin und her zu springen.

Großvaters Empfehlung, ein Buch konsequent von vorn nach hinten / Seite nach Seite zu lesen, mag für einen Roman richtig sein – nicht jedoch für das Lesen eines Fachbuches!

Anwendungsbeispiel

Sehr geehrter Herr Vogt,

ich ersuche Sie, mir bei folgender Problematik Hilfestellung zu leisten: Ich studiere Rechtswissenschaften, meine nächste Prüfung „wäre“ Rechtsgeschichte. „Wäre“ deshalb, weil ich nicht weiß, wie ich diese unglaublichen Unmengen an Informationen und Jahreszahlen lernen soll und kann.

Im gegenständlichen Fach sind mehrere Bücher zu beherrschen!

Wie mache ich es nun, dass ich einerseits den gesamten Lernstoff beherrsche, auf der anderen Seite aber nichts verwechsele? Rechtserkenntnisquellen im Frühmittelalter sind gänzlich andere, als zum Beispiel im Römischen Reich.

Mit freundlichen Grüßen
H. G., Österreich

meine Antwort

Lieber Herr G.,

vielleicht helfen Ihnen meine kurzen Stichworte als grobe Tipps:

  • Die einzelnen Kapitel im Schnellverfahren lesen, um einen Überblick zu erhalten. Dabei gleichzeitig die so genannten Sinnträger-Infos farblich markieren; Ihre persönlichen Gedanken an den Rand schreiben.
  • Jeden Hauptgedanken stichwortartig auf die Rückseite einer Lernkarte schreiben; auf die Vorderseite dieser Lernkarte ein passendes Frage- Stichwort notieren. Dieses Verfahren erfordert ein nochmaliges ‚präziseres‘ Lesen.
  • Die Lernkarten in Verbindung mit der LernBox nach Leitner wiederholend bearbeiten; „Die Wiederholung ist die Mutter des Lernens.“

Diese drei Punkte entsprechen auch ungefähr der bekannten ‚SQ3R‚-Lese- / Lern-Methode.

  • Survey (Überblick verschaffen)
  • Questions (Fragen formulieren)
  • Read (Lesen)
  • Recite (den Inhalt wiederholen)
  • Review (den Gesamtinhalt rekapitulieren).

Darüber hinaus:

  • Jahreszahlen, sofern sie wirklich präzise nötig sind, in leichter einprägbare Begriffe ‚übersetzen‘ (Großes ZahlWortSystem bzw. Erweitertes Großes ZahlWortSystem). Ansonsten lediglich die Zeitperioden einprägen, zum Beispiel ‚Mitte des 8. Jahrhundert‘ = ‚Stopp der Mauren in Südfrankreich‘; ‚Anfang des 16. Jahrhunderts‘ = ‚Zeit der Reformation in Deutschland‘.
  • In einer Arbeitsgemeinschaft arbeiten, um sich die Arbeit der Lernkarten-Erstellung zu teilen: Jeder Partner bearbeitet einen Teil des Ganzen und stellt die hierzu erstellten Lernkarten den Kollegen zur Verfügung; mit meiner Software memoCARD ist das einfach / schnell realisierbar.  
  • Auch die weiteren Lern- / Gedächtnis-Tipps anwenden, die ich in den bisherigen memoNews (seit Sept. 2000) stichwortartig veröffentlicht hatte.

Anmerkung: Das Große ZahlWortSystem wird nur selten gebraucht, andererseits ist der Lernaufwand hierfür recht groß. – Das Große ZahlWortSystem wird in diesem OnlineKurs nicht behandelt.

  • Welche Erkenntnis können Sie – für Ihre Bildungsarbeit – aus diesem Lernschritt ziehen?
  • Welche Absicht wollen Sie – für Ihre Bildungsarbeit – aus diesem Lernschritt ableiten?

Reflexionsbogen (PDF) zum Download


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