8.2 Lösung: Lerntheorien

Lernschritt:

So könnten Sie sich – zum Beispiel – die fünf klassischen Lerntheorien einprägen:

A. anschau’liche Beispiele = gedankliche Bilder

Lernen durch Versuch, Irrtum und Erfolg

Ein Kind probiert die vielen Schlüssel eines Schlüsselbundes aus, um ein Schloss zu öffnen. Es merkt sich dann den richtigen Schlüssel, der in diesem Fall vielleicht mit einem roten Plastikring markiert ist.

Lernen durch Einsicht

Ein Kind erkennt, dass es einen besonders hohen Turm bauen kann, indem es den Turm so baut, dass er sich nach oben hin verjüngt. („Aha, so geht das besonders gut.“ – ‚Aha‘-Erlebnis)

Lernen durch Nachahmung / Lernen am Modell / Imitations-Lernen

Ein Kind hat seine Mutter beim Einkaufen beobachtet. Jetzt spielt es mit seinem Kaufmannsladen: „Ich hätte gern ein Stück von diesem Käse – bitte etwa 150 Gramm.“

Lernen durch klassische Konditionierung

Ein Kind hat einige Episoden von ‚Meister Eder und Pumuckl‚ im Fernsehen gesehen und dabei auch die Erkennungsmelodie zu Beginn mitbekommen. Jetzt hört das Kind vom Kinderzimmer aus die Melodie und läuft ganz schnell ins Wohnzimmer.

Lernen durch instrumentelle Konditionierung

Ein Kind übt den Schulweg zusammen mit seiner Mutter. Die Mutter lobt jedes richtige Teilverhalten: Überqueren der Straße, Einbiegen in die richtige Straße, Warten an der Haltestelle des Schulbusses, … Hier wird jeweils ein Lob als verstärkendes Instrument eingesetzt.

Es gibt 1.000 Möglichkeiten, passende Beispiele / gedankliche Bilder zu entwickeln … Es müssen natürlich nicht nur kindliche Bilder sein!

  • Vielleicht kennen auch Sie eine Situation am PC, in der Sie zunächst nur rumprobiert hatten, bis Sie dann – irgendwie – zum Erfolg gekommen waren; diesen zufällig entdeckten Lösungsweg hatten Sie sich eingeprägt. – Lernen durch Versuch, Irrtum und Erfolg
  • Sie lassen Ihren Azubi überlegen, in welcher von zwei Bäckerei-Filialen er lieber einkauft: dort wo er freundlich bedient wird oder dort, wo er ‚abgefertigt‘ wird. – Das könnte dazu führen, dass er erst nun kapiert / akzeptiert, weshalb er sich im Ausbildungsbetrieb gegenüber Kunden (und anderen) bewusst freundlich verhalten sollte. > kundenorientiertes Verhalten – Lernen durch Einsicht

B. weitergehende Verknüpfungen / Assoziationen

Verstehendes Lernen = Lernen über Sinnzusammenhänge ist die beste Lern-Methode !!!

Nur wenn es keine Sachlogik gibt oder wenn man als Lernender die Sachlogik (noch) nicht nachvollziehen kann, ist Lernen über kreative Verknüpfungen (‚Eselsbrücken‘) eine großartige Alternative – anstelle von Paukerei oder Überhaupt-nicht-Lernen.

Kreatives Verknüpfen ist zum Beispiel durch Entwickeln einer Fantasie-Geschichte möglich = Gedächtnistechnik, als Ersatz für logische Verknüpfungen

zum Beispiel so:

  • Nachdem das kleine Kind durch Probieren den richtigen Schlüssel (mit dem roten Plastikring) herausgefunden hatte (Versuch, Irrtum und Erfolg), …
  • … baute es ihn in das Fundament eines Turmes aus Holzklötzchen ein. Als es den Turm in kluger Weise sehr hoch gebaut hatte (Einsicht: unten eines breites Fundament), stürzte er durch eine Ungeschicklichkeit um.
  • Die Turmspitze schlug gegen den bunten Kaufmannsladen. Das brachte das Kind auf eine Idee: Es begann, Einkaufen an der Käse-Theke eines Supermarktes zu spielen (Nachahmung / Imitation).
  • Mitten im Spiel war plötzlich vom TV im Wohnzimmer her die Erkennungsmelodie von Pumuckl zu hören. Natürlich lief das Kind sofort hinüber zum TV (klassische Konditionierung).
  • Meister Eder schlug dem Pumuckl vor, heute den Weg zur Schule in allen Einzelteilen einzuüben. Nach jedem richtigen Teilverhalten wurde Pumuckl gelobt (instrumentelle Konditionierung).

Eine andere Art der kreativen Verknüpfungsmöglichkeiten (hatten Sie bereits im Zusammenhang mit den fünf Taxonomie-Stufen kennen gelernt:

Fazit: Das Entwickeln kreativer Verknüpfungen, zum Beispiel einer Fantasie-Geschichte, als Ersatz für fehlende oder (noch) nicht kapierbare sachliche Zusammenhänge …

  • verursacht eine größere geistige Verarbeitungstiefe des Lernstoffes und führt deshalb zu einer besseren Erinnerbarkeit, als wenn man sich lediglich die Begriffe einhämmert,
  • geschieht nach ein wenig Übung recht einfach und macht Spaß (spielerisches Einprägen),
  • macht das unsägliche ‚Pauken‘ weitgehend überflüssig.

AusbilderInnen erleichtern den Azubis das Erlernen neuer Informationen, sofern sie selber solche Techniken beherrschen und diese ihren Azubis vermitteln.

Das Ziel: Die Azubis entwickeln ihre eigenen kreativen Verknüpfungen für ’schwierige‘ Lerninhalte! Das ist ein Aspekt der Methodenkompetenz.

In der schriftlichen AEVO-Prüfung kommen zwar die ’normalen‘ Lehr- und Lernmethoden dran (und auch die klassischen Lerntheorien), nicht jedoch die Techniken des kreativen Lernens. – Aber im Fachgespräch (zweiter Teil Ihrer praktischen AEVO-Prüfung) haben Sie mit großer Wahrscheinlichkeit die Möglichkeit, etwas über diejenigen Lernmethoden zu erzählen, mit denen Sie persönlich gute Erfahrungen gesammelt haben …

P.S.:

  • Bitte erinnern Sie sich: Welches sind die sechs Teile des Modells der vollständigen Handlung?
  • Bitte werden Sie sich bewusst, über welchen gedanklichen Weg Sie diese sechs Teile / Begriffe abgerufen hatten!


Sie sind im Kurs: Basis-Modul zur AEVO-Prüfung, Kapitel: 8. Lerntheorien und Lernmethoden - Pädagogik, Lernschritt: 8.2 Lösung: Lerntheorien