TG 1.21 – Fortsetzung: zweites Beispiel

Lernschritt:

ein zweites Beispiel

Die obigen ‚Morse-Buchstaben‘ wirken auf Sie vermutlich in gleicher Weise, wie die ’normalen‘ Buchstaben auf ein Kind, das demnächst mit dem Lesen und dem Schreiben beginnen wird.

Wie lange braucht ein Kind, um die 26 ’normalen‘ Buchstaben lesen zu können? Einen Tag? Eine Woche? Einen Monat? Oder noch länger?

‚Verstehendes Lernen‘ ist nur dann möglich, wenn die einzuprägenden Informationen sinnvoll mit dem Vorwissen in Verbindung gebracht werden können. Zwischen Morsezeichen und dazugehörenden Buchstaben gibt es aber keinerlei sinnvolle Zusammenhänge. Deshalb werden vermutlich auch Sie das Erlernen der abstrakten Morse-Codes als schwierig und sehr zeitaufwändig einschätzen. – Seit etwa 170 Jahren versuchen die Morse-Profis, Wege zu finden, um das Morsen-Lernen zu vereinfachen …

Wie lange braucht heute ein Erwachsener, um 26 Morse-Zeichen lesen und schreiben zu können? – etwa eine Stunde: mit Hilfe des ‚kreativen Lern-Denkens‘.

Der Morsefunker, Gerd Lienemann, und ich haben ein entsprechendes Lern-System entwickelt:

Zunächst gab es hierzu nur skeptische bis hämische Rückmeldungen der ‚Morse-Profis‘. Dann aber erreichte mich unter anderem folgendes Feedback:

Hallo, Herr Vogt,

ich weiß nicht, ob Sie sich noch an mich erinnern können: Ich hatte im Februar diesen Jahres mit dem Programm memoCARD und dem MorseLernSystem das Morsen erlernen wollen. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt auch verstärkten E-Mail Kontakt.

Die eigentlichen Morsezeichen konnte ich damit recht schnell erlernen.

Um wirkliche Morsegespräche zu führen, muss man ja bekanntermaßen die Morsezeichen sehr schnell und reflexartig lesen können. Da ich auch einiges dafür getan habe (3 – 7 mal die Woche eine halbe Stunde Training), bin ich heute das erste Mal in der Lage gewesen, ein CW QSO zu führen. Es war zwar nur ein Standard CW Contest QSO mit SK6DK auf 2m, aber immerhin, mein aller erstes CW QSO !!!!!

Im Trainingsmodus bin ich in der Lage, in realem Tempo 60 BPM Fünfergruppen zu lesen. Teilweise klappt auch Tempo 80 BPM. Allerdings ist das noch sehr anstrengend für mich. Ein Fernziel ist es, Tempo 120 BPM lesen zu können. Das ist auch meine momentane Trainingsgeschwindigkeit, allerdings mit längeren Pausen zwischen den Zeichen.

Als ich mit den Bildergeschichten angefangen hatte zu lernen, las ich Kritik, dass man damit zwar schnell die Zeichen lernen könne, aber später Probleme habe, auf Geschwindigkeit zu kommen. Diese Kritik kann ich zumindest für mich entschieden zurückweisen. Vielmehr kann ich bestätigen, dass die Bildergeschichten als ‚Kleber‘ gedient haben, um sich die Morsezeichen einzuprägen.

Mittlerweile denke ich natürlich nicht mehr an die Bildergeschichten, ich kann mich auch an die meisten Geschichten gar nicht mehr erinnern, aber sie haben mir sehr geholfen, das Morsen zu erlernen.

So wie mir bekannt ist, braucht man typischerweise ein Jahr und länger, um morsen zu lernen. Ich habe Anfang Februar damit angefangen und konnte mein erstes Morsegespräch Anfang September führen, das ist etwas mehr als ein halbes Jahr.  Somit kann ich auch den Einwand nicht bestätigen, dass man mit solchen Eselsbrücken länger brauche.

Für mich war diese Lernmethode ein voller Erfolg !!!

Karsten Schubert, DF5KA

Welches Kind war in der Lage, die 26 Grundbuchstaben innerhalb von nur etwa einer Stunde so gut zu lernen, dass es danach zumindest gaaaanz langsam schreiben und lesen konnte? … obwohl Kinder angeblich so viel schneller als Erwachsene lernen.

Das kreative Lern-Denken kann die Lerneffizienz erheblich erhöhen!

Aber es braucht hierfür engagierte und von Lern- und Gedächtnistechniken begeisterte Bildungs-Profis!


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