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Lernschritt:

Grafik von pixabay.com

Der Trick mit dem roten Punkt

Als mein Jüngster noch ein Kindergarten-Kind war, hatte er (und noch mehr ich, als Lerntechnik- / Gedächtnistrainer) ein interessantes Erlebnis:

  • Alle Kinder bekamen eines Tages von der Erzieherin einen großen roten Punkt auf den rechten Handrücken gemalt … oder war es der Abdruck eines in rote Tinte getauchten Kartoffelstempels?

Etwa eine Woche lang wurden die Kinder von der Erzieherin aufgefordert, ganz bestimmte Handlungen mit der rot markierten Hand, „der rechten Hand“, auszuführen. Die andere Hand (und die Bezeichnung „links“) spielten in dieser Zeit überhaupt keine Rolle.

So, wie mit der Zeit die rote Farbe verblasste, wurde offensichtlich die Bezeichnung „rechts“ im Gehirn der Kinder zunehmend verankert. – Das war eine einfache und wirkungsvolle Methode, um die so genannte ‚Ähnlichkeits-Hemmung‘ (‚Ranschburg-Phänomen‘) beim Lernen ähnlicher Informationen, die leicht verwechselt werden können, zu vermeiden.

pädagogische Fehlleistung

Insofern ist es eine pädagogische Fehlleistung, dass in einer Lernunterlage eines ‚Lernmittel-Verlages‘ zum Beispiel folgende Übungsaufgabe zu lesen ist:

Metti queste parole al plurale:

  • un pesce    –   due ..?.. (pesci)
  • una pesca   –   due ..?.. (pesche)

leicht verwechselbarer Begriffe, zum Beispiel:

  • Arterie – Vene
  • systolisch – diastolisch
  • Mitbestimmung – Mitwirkung (Rechte des Betriebsrates)
  • Gerundium – Gerundivum
  • Erfüllungsgehilfe – Verrichtungsgehilfe

  • Wallonen – Flamen
  • Prosa – Poesie
  • XX-Chromosomen – XY-Chromosomen
  • effektiv – effizient

  • lunch – dinner
  • their – there
  • who – where
  • where – were
  • runter (ital.: giù) – rauf (ital.: su)
  • Mittagessen (ital.: pranzo) – Abendessen (ital.: cena)

  • das – dass
  • konkav – konvex
  • konjugieren – deklinieren
  • Schusterjungen – Hurenkinder (Begriff der Drucker-/Setzer-Sprache)
  • mein – dein … außer Konkurrenz

wichtig für die Lernenden – für die Lehrende erst recht

Da jeder von uns aus eigener Erfahrung weiß, dass wir dazu neigen, 

  • ähnlich klingende Bezeichnungen oder
  • völlig unterschiedliche Bezeichnungen für ähnliche Dinge

zu verwechseln, sollten wir hierfür sensibel werden und etwas gegen die Verwechslungsgefahr unternehmen, … als Lernende und als Lehrende!

Fazit

Bei verwechselbaren Informationen sollte man sich zunächst nur eine dieser Informationen einprägen, so wie oben bei der Geschichte mit dem roten Punkt!

Hilfen, die die Verwechslungsgefahr mindern:

  • passende ‚Eselsbrücke‘ entwickeln
  • verschiedene Lernkarten anlegen, aber zunächst nur eine der beiden Karten immer wieder einmal fragend wiederholen
Screenshots aus meiner Software memoCARD

Wenn sich Ihnen jemand mit „Erika Weiß“ vorstellt,

  • dann denken Sie zum Beispiel „Weiß wie Weißwein“ oder „Weiß wie Schnee“,
  • also bitte nicht: „Weiß wie Schwarz.“

Und wenn Sie selbst zum Beispiel „Groß“ heißen, dann unterstützen Sie Ihren neuen Gesprächspartner zum Beispiel bitte mit „Groß wie Großstadt“, also nicht: „Groß“ wie „Klein“.

  • Welche Erkenntnis können Sie – für Ihre Bildungsarbeit – aus diesem Lernschritt ziehen?
  • Welche Absicht wollen Sie – für Ihre Bildungsarbeit – aus diesem Lernschritt ableiten?

Reflexionsbogen (PDF) zum Download


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