TG 3.2.20 – Lerninhalte in spezielle Bewegungen umsetzen

Lernschritt:

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Beispiel 1: Englisch-Vokabeln

Als mein jüngster Sohn anfing, die ersten Englisch-Vokabeln zu lernen, hatte er unter anderem bei

  • Stuhl – chair und bei
  • bitte – please

immer wieder das Problem, dass er die jeweilige Entsprechung in Englisch nicht erinnern konnte. Ich gab ihm deshalb folgenden Tipp, der ihm zunächst nur spaßig vorkam:

  • Sag doch mal ‚chair – Stuhl‘ und erheb dich dabei ein- / zweimal kurz von deinem Stuhl und lass dich dann wieder drauf fallen. bzw.
  • Sag doch mal ‚please – bitte‘ und mache dabei ein- / zweimal eine weit ausladende Bewegung mit dem Arm, als würdest du (wie ein Diener) jemanden in einen Raum hinein bitten.

Später beim Abfragen seines Vokabel-Lernkarten-Päckchens hatte er bei diesen zwei Vokabeln zunächst doch wieder sein Erinnerungsproblem. Dann fragte ich ihn, welche Bewegung er denn beim Einprägen der betreffenden Vokabel gemacht hatte. Er erinnerte sich an die Körperbewegung … und dann sofort auch an das gesuchte Wort in Englisch …

Beispiel 2: Berufsbildungsrecht

Im den früher von mir durchgeführten Präsenzseminaren zur Vorbereitung auf die Ausbildereignungsprüfung (jetzt als noch wirkungsvollerer OnlineKurs) vermittelte ich den Teilnehmern unter anderem, welche Ziele die Berufsausbildung nach § 1 des Berufsbildungsgesetzes (inzwischen geändert!) hat, nämlich

  • breit angelegte berufliche Grundbildung
  • qualifizierte … berufliche Fertigkeiten und Kenntnisse sowie
  • erforderliche Berufserfahrungen

Dabei setzte ich zur speziellen Veranschaulichung (und Lernverstärkung) meine Körperbewegungen ein:

  • Zur ‚breit angelegten beruflichen Grundbildung‘ zog ich meine beiden Hände weit auseinander (als Sinnbild eines breiten Fundamentes).
  • Zu ‚qualifizierte … berufliche Fertigkeiten und Kenntnisse‘ setzte ich bildlich einen ’stabilen Baumstamm‘ auf das ‚Fundament‘.
  • Zu ‚Berufserfahrungen‘ stellte ich mit den Händen ‚obendrauf eine umfassende runde Baumkrone‘ dar.

Da ich diese rechtlichen Inhalte recht früh innerhalb des Seminars vermittelte, regte ich die Teilnehmer zu diesen Zeitpunkt dazu an, diese Bewegungen lediglich im Geiste nachzuvollziehen, also nicht gleich selber mitzumachen. – So wollte ich wegen dieser ‚Kinderspielerei‘ möglichen Unmut der Teilnehmer vermeiden. – Erinnern Sie sich noch daran, was Sie sich gedacht hatten, als ich Sie innerhalb des Start-Videos aufforderte, die zehn bestimmten Teile Ihres Körpers zu berühren?!

Beispiel 3: Definition Gruppe

In diesen Präsenzseminaren zur Vorbereitung auf die Ausbildereignungsprüfung hatte ich auch die Definition ‚Gruppe‘ mit Körperbewegungen vorgestellt.

aus meiner AEVO-Lernkartei
  • zu 1: Ein Teilnehmer und ich standen uns gegenüber.
  • zu 2: Wir haben mit unseren Händen einen unmittelbaren Kontakt hergestellt.
  • zu 3: Wir haben unsere Arme nach oben gerissen: „Wir von der AEVO-Gruppe!“
  • zu 4: Ich bin – allein – auf eine der Pinnwände im Seminarraum zugegangen: Diese Pinnwand auf den zwei Standbeinen hat Ähnlichkeit mit einer Zielfahne.
  • zu 5: An einem der Standbeine habe ich mich nach unten gebückt, ein imaginäres Regiebuch aufgehoben und nachgeschaut, wie ich mich, als Schauspieler, zu verhalten habe.
  • zu 6: Am anderen Standbein habe ich eine imaginäre Maske hochgenommen und sie mir vors Gesicht gehalten, um nun meine Rolle in diesem Theaterstück zu spielen.

Beispiel 4: Medizin

Medizin- und Sportstudenten, Physiotherapeuten und Aerobic-Trainer müssen unter anderem lernen, welche Vorgänge sich bei der Kontraktion von Skelettmuskeln in den so genannten Sarkomern abspielen. Es geht dabei nicht nur um das Verstehen; die Lernenden müssen auch in der Lage sein, die richtigen Fachbegriffe zu verwenden und die komplizierten Abläufe wiederzugeben.

Weil aber auch das Zusammenspiel von ‚Aktin-‚ und ‚Myosinfilamenten‘ allgemein als schwer verstehbar / schwer erlernbar empfunden wird, könnte man hierfür geeignete Lern-Tipps / ‚Techniken des leichteren Lernens‘ anwenden.

‚Lernen durch Bewegung‘ hatte sich auch bei meiner Frau, Fitness-Trainerin und zertifizierte Yoga-Lehrerin, bewährt, um das komplizierte Zusammenspiel der ‚Aktin-‚ und ‚Myosinfilamente‘ besser zu verstehen und es frei aus der Erinnerung wiedergeben zu können: Sie legte sich auf den Boden und simulierte durch Oberkörper-, Arm- und Greifbewegungen, wie die ‚Myosinköpfchen‘ ihre Lage verändern und sich an den ‚Aktinfilamenten‘ festkrallen bzw. wieder von ihnen lösen.

Beispiel 5: noch einmal Berufsbildungsrecht, § 1 (4) BBiG

Die berufliche Fortbildung soll es ermöglichen,

  • die berufliche Handlungsfähigkeit durch eine Anpassungsfortbildung zu erhalten und anzupassen oder
  • die berufliche Handlungsfähigkeit durch eine Fortbildung der höherqualifizierenden Berufsbildung zu erweitern und beruflich aufzusteigen.

Haben Sie eine Idee, wie man die genannten vier Ziele der beruflichen Fortbildung in Bewegungen „übersetzen“ könnte?

In unserem nächsten Zoom-Meeting können wir darüber reden.

Warum funktioniert ‚Lernen mit passenden Bewegungen‘?

Lernen bedeutet immer Lernen in (irgendwelchen) Zusammenhängen: Im Gehirn werden beim Lernen Verknüpfungen / Assoziationen, gebildet, und zwar meist unbewusst, zum Beispiel

  • Verknüpfung mit Duft oder Melodie: Wahrscheinlich haben Sie es auch schon einmal erlebt, dass ein bestimmter Duft oder eine bestimmte Melodie Sie an ein Urlaubserlebnis oder eine bestimmte Person erinnerte. Hier hatte das Gehirn unbewusst den Duft oder die Melodie mit einem Erlebnis bzw. einer Person verknüpft.
  • Verknüpfung mit Klingklang: Beim herkömmlichen Vokabel-Lernen, also dem Auswendiglernen, versuchen wir bewusst, eine klangliche Verbindung zwischen der deutschsprachigen und der fremdsprachigen Vokabel herzustellen, zum Beispiel ‚Wand – wall‘. (Für die meisten Lernenden sind jedoch ausschließlich klangliche Assoziationen zweier einzelner Wörter keine besonders wirkungsvolle Lernmethode!)

Die generell besten Assoziationen / Verknüpfungen sind nachvollziehbare Sinn-Zusammenhänge (‚verstehendes Lernen‘).

kritisch nachgehakt: Reichte Ihnen der Sinn-Zusammenhang, um sich die Einzelbegriffe zu Lernplan aufstellen einzuprägen / um sich jetzt noch an alle sieben Abschnitte erinnern zu können? (Rückblick)

Wir können manche Lerninhalte bewusst mit passenden Bewegungen verbinden. Wir brauchen hierfür Überzeugung in die Wirksamkeit plus Übung

an die Bewegungen denken

Sofern man die Bewegungen einige Male durchgeführt hat, kann man den Nutzen auch erreichen, wenn man nur an sie denkt, zum Beispiel bei der Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln, abends auf der Couch, …

Lernen mit Bewegungen = ein Aspekt des multisensorischen Lernens

kombinierte CorelDraw-Grafiken

multisensorisches Lernen = Lernen mit möglichst vielen Sinnen – Info der Max-Planck-Gesellschaft

Im weiteren Verlauf des OnlineKurses gibt es weitere Empfehlungen zum multisensorischen Lernen.

  • Welche Erkenntnis können Sie – für Ihre Bildungsarbeit – aus diesem Lernschritt ziehen?
  • Welche Absicht wollen Sie – für Ihre Bildungsarbeit – aus diesem Lernschritt ableiten?

Reflexionsbogen (PDF) zum Download


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