TG 3.2.25 – Lerninhalte wiederholt schreiben

Lernschritt:

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Als ich diesen Lern-Tipp zum ersten Mal hörte, dachte ich: „Immer wieder stumpfsinnig dasselbe schreiben; das ist doch nichts anderes als das übliche Pauken, nur eben in schriftlicher Form.“

Um welche Inhalte geht es dabei?

  • Um das Schreiben schwieriger Wörter?
  • Um das Schreiben der Rechenaufgaben zum Kleinen Einmaleins?
  • Um das Schreiben mathematischer Formeln?
  • Um das Schreiben von Definitionen?
  • …?

Solange bei dieser Schreiberei das ‚Gehirn ausgeschaltet‘ bleibt, schätze ich den Lernnutzen als äußerst gering ein.

Laufdiktate … und ein paar Ideen mehr

Wenn Sie es für notwendig erachten, mit Ihrem Kind Diktate zu üben, dann braucht Ihr Kind noch lange nicht darüber begeistert zu sein …

Lern-Prozesse gegen den Willen der Lernenden sind generell unergiebig; Lernen mit Freude (mit Motivation!) ist dagegen ungleich erfolgreicher!

Sofern Ihnen, als Eltern, lediglich Ideen fehlen, wie Sie ‚lustvolles Lernen‘ auslösen könnten, dann könnten die folgenden Gedanken hilfreich sein:

  1. Wenn unsere Kinder zu schreiben anfangen, dann könnten wir zunächst alle Fehler tolerieren! Wir könnten unsere Kinder allein schon für die Tatsache loben, dass sie bereits Freude am Schreiben haben und wie sie bereits schreiben!

    Alles, was wir selber einmal zu tun anfingen, haben auch wir nicht sofort richtig gemacht, weder das Kochen von Mahlzeiten, noch das Bohren von Dübel-Löchern in Betonwände, noch das Führen eines Autos. – Wie empfanden wir es denn damals, wenn ein ‚Wissender‘ dann sofort an unserem noch nicht perfekten Tun herumgemäkelt hatte: eher motivierend oder eher demotivierend?
     
  2. Eine weitere Möglichkeit, die vorhandene Schreib-Motivation zu fördern, ist, dass wir nur solche Texte für Übungs-Diktate nutzen, an deren Inhalten unsere Kinder stark interessiert sind – die sie als ‚echt geil‘ empfinden.

    Außer Texten zu ‚Schminken‘, ‚Fußball‘, ‚Musik‘ usw. könnte es sich zum Beispiel um Texte mit Witzen handeln!
     
  3. Da das Lesen von Texten gleichzeitig eine Vorbereitung zum orthografisch richtigen Schreiben darstellt (und umgekehrt!), sollten Lesen und Schreiben optisch gleich sein: Wenn unsere Kinder die Texte in den Schulbüchern nur in Druck-Buchstaben zu lesen bekommen, dann sollten unsere Kinder auch die Diktate in Druck-Buchstaben schreiben dürfen!
     
  4. Recht schnell stellt sich heraus, dass es ja nur relativ wenige Wörter sind, die unsere Kinder noch nicht richtig schreiben können. Warum müssen wir unsere Kinder dann trotzdem mit den kompletten Diktat-Texten ‚quälen‘?

    Wir könnten unsere Kinder vor dem ‚Diktat‘ (der etwas anderen Art) den kompletten Text lesen lassen und mit ihnen gemeinsam überlegen, welche Wörter darin wahrscheinlich ’schwierig‘ sind und mit welchen Gedanken (Tricks / Merkhilfen) man es sich einprägen könnte, wie diese Wörter geschrieben werden, zum Beispiel zur Großschreibung, weil dieses Wort auf „-heit“, „-keit“ oder „-ung“ endet.

    Auf diese Weise geben wir unseren Kindern die Möglichkeit, vorab besonders aufmerksam hinzuschauen, wie die schwierigen Wörter richtig geschrieben werden und (ggf.) warum diese Wörter so geschrieben werden! – Diese Konzentration auf das Wesentliche ist doch eigentlich genau das, was wir wollen! Oder empfinden wir dieses vorherige Hinschauen als eine Art ‚Schummeln‘ oder unzulässige ‚Vereinfachung‘?

    Also: WELCHE Wörter, WIE und WARUM?
     
  5. Mit PC-Technik und Internet-Zugriff ist es kein großer Aufwand, inhaltlich motivierende Texte zu finden und in ansprechender Weise aufzubereiten: insbesondere große Schrift-Type, zweifache Ausfertigung (Original und Lückentext), ggf. die Absätze in unterschiedlichen Farben ausdrucken.
     
  6. Den Lückentext (Lücken für die vermuteten schwierigen Wörter) könnten wir als Erstes für ein Spiel verwenden: Welche Wörter fehlen denn wohl? – Wenn unsere Kinder diesen ersten Schritt zum Diktat als lustiges Spiel empfinden, dann ist das Motivation pur!
     
  7. Wir könnten unsere Kinder anspornen, die Lücken in Schönschrift zu füllen. In Schönschrift zu schreiben, bedeutet, größere Aufmerksamkeit für das Schreiben aufzuwenden (und mehr Zeit für die Erinnerung an das Wie und das Warum zu haben).

    Darüber hinaus könnte – neben dem Text-Inhalt – ein schönes Schriftbild für unsere Kinder Anlass sein, diese Übungs-Diktate zu sammeln.

    Wenn unsere Kinder zu diesen Texten dann auch noch ihre eigenen Gedanken ergänzend dazu schreiben oder ein passendes Bild malen, dann wird dadurch die Attraktivität dieser Unterlage zusätzlich gesteigert.
     
  8. Die Text-Lücken werden sicherlich nicht sofort nur mit richtig geschriebenen Wörtern gefüllt. Um die Attraktivität der Unterlage zu erhalten, könnten wir unsere Kinder die zunächst noch falsch geschriebenen Wörter jeweils mit weißen Klebestreifen (Adress-Etiketten) überkleben lassen und die betreffenden Wörter auf diesen Klebestreifen richtig eintragen lassen. – Es würde nicht dem Zweck der Übung widersprechen, wenn man die betreffenden Wörter sicherheitshalber auf einem Schmierpapier vorschreiben ließe.
     
  9. Wir könnten die vom Kind in die Lücken einzusetzenden Wörter diktieren oder es ganz anders organisieren: Der Original-Text befindet sich ein oder zwei Meter vom Schreibplatz entfernt. Das Kind liest die zu schreibenden Wörter laut, prägt sie sich ein und schreibt sie aus der Erinnerung am Schreibplatz auf.

    Ein solches Lauf-Diktat hat zwei Vorteile: Das Kind kann auch bei dieser Tätigkeit seinem Bewegungsdrang nachgeben (Lernen in / mit Bewegung), die Konzentration auf das einzuprägende Wort erhöht die Wahrnehmung für die richtige Schreibweise und fördert die Erinnerung.
     
  10. Wir könnten unsere Kinder diese Diktate selber ‚zensieren‘ lassen, aber vielleicht in einer anderen Weise, als sie von der Schule her kennen, zum Beispiel „Von zwölf schwierigen Wörtern bereits drei schon beim ersten Anlauf richtig geschrieben!“

    Diese Ergebnis-Formulierung könnten wir bei der Text-Erstellung am PC – mit Ausnahme der beiden Zahlwörter – gleich mit dazu setzen.

    Es wäre sicherlich auch für unsere Kinder interessant zu verfolgen, wie sich diese Erfolgs(!)-Werte im Laufe der Zeit verbessern. – Nebenbei ergibt sich damit auch ein spannender Anlass, die Bruch-Rechnung am praktischen Beispiel zu erleben …

Wenn es schon notwendig ist, dass Sie, als Mutter oder Vater, zu Hause ‚Nachhilfe‘ geben: Vielleicht haben Sie mit diesem Lehr- / Lern-Tipp einige Anregungen bekommen, damit die ‚Stimmung‘ bei dieser ‚Ergänzungs-Schul-Arbeit‘ nicht in beiderseitigen Frust umschlägt. – Ich selbst, als Vater, hatte seinerzeit nicht die nötige Distanz, um schon damals zu diesen Einsichten zu kommen. Auch an Eltern-Abenden und Eltern-Sprechtagen habe ich diese Ideen (bis auf das ‚Lauf-Diktat‘) leider nicht vorgestellt bekommen …

Eine zusätzliche mnemotechnische Idee für orthografisch richtiges Schreiben (Rechtschreibung) werden Sie in einem späteren Kapitel 11 kennen lernen: ‚Zauberbildchen‘ … auch für Erwachsene

Sonderpunkt: Legasthenie

Sofern Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind ein Legastheniker ist, machen Sie sich hierzu kundig. Legastheniker haben nicht nur Schwierigkeiten mit dem Lesen, sondern auch mit dem Schreiben! – Wer nicht richtig lesen kann, hat allein dadurch schon große Probleme. – Bei bescheinigter Legasthenie dürfen Rechtschreibefehler in der Schule nicht mehr bewertet werden. – Unser älterer Sohn hat Lesen durch mühsames Buchstabieren von Produktbeschreibungen innerhalb eines Kataloges von ‚Conrad Electronic‘ gelernt (etwa 1999) …

empfehlenswert

Sonderpunkt: einmaliges Schreiben als Einprägungshilfe

Sofern Sie sich eine Kleinigkeit einprägen wollen, zum Beispiel eine Nummer oder eine beabsichtigte Aktivität, kann es hilfreich sein, die Nummer oder ein Stichwort zur beabsichtigten Aktivität, handschriftlich auf einen Zettel zu schreiben. Durch die besondere Aufmerksamkeit, die Sie für das Schreiben aufbringen, kann es ausreichend sein, dass Sie diese Information für die erforderliche Dauer in Erinnerung behalten, … auch wenn Sie sofort anschließend den Zettel entsorgen.

schreibend lernen = ein Aspekt des multisensorischen Lernens
kombinierte CorelDraw-Grafiken

  • Welche Erkenntnis können Sie – für Ihre Bildungsarbeit – aus diesem Lernschritt ziehen?
  • Welche Absicht wollen Sie – für Ihre Bildungsarbeit – aus diesem Lernschritt ableiten?

Reflexionsbogen (PDF) zum Download


Sie sind im Kurs: Lern- und Gedächtnistechniken für Bildungs-Profis (TG), Kapitel: TG 3 - Drei Dutzend knapp verfehlt, Lernschritt: TG 3.2.25 - Lerninhalte wiederholt schreiben